Geistlicher Impuls zu Ostern

Impuls Gründonnerstag

„In den häuslichen Rahmen, einander dienen und auf die Füße achten wie Jesus“  I

Der Fuß bildet die Grundlage unseres Stehen-Bleibens. Die heutige Abendmahlfeier und damit verbundene Fußwaschung laden uns ein, uns auf das einander-dienen zu besinnen und unsere eigenen Füße, aber auch die der anderen genau anzuschauen. Damit werden wir aufmerksam gemacht, über das Fundament unseres Lebens nachzudenken.

Eine Feier im häuslichen Rahmen

Wegen der Corona-Krise müssen wir in diesem Jahr leider zu Hause das Abendmahl Jesu feiern, genauso wie diese Feier seinen Ursprung genommen hat. Davon berichten die drei Lesungen aus der Bibel, die uns in der heutigen Liturgie angeboten werden. Die erste Lesung aus Ex 12:1-12 enthält einen Erinnerungsruf an die Israeliten, an die Rettung aus Ägypten nachzusinnen. So lautet die große Botschaft dieser Lesung Rettung. Gott rettet sein Volk. Die Rettung fängt mit dem Passafest an, einer Feier in den Häusern. Es fand zwar eine gleichzeitige Feier in allen Häusern statt, aber war es gleichzeitig eine Feier der Gemeinschaft.

In der zweiten Lesung aus dem Ersten Korintherbrief (1 Kor 11:23-26) versucht Paulus, die Mißstände bei den Zusammenkünften der Christen in Korinth zu korrigieren mit dem Verweis auf den Kern der Abendmahlsfeier Jesu, nämlich, das Teilen. Bei der Feier des Herrenmahles in Korinth hat das ‚Teilen‘ gefehlt und daher mahnt Paulus die Christen in Korinth auf das ‚Teilen‘ des Herrn bei seinem Abendmahl (wörtlich: ‚mein Leib für euch‘ und ‚der Neue Bund in meinem Blut‘)  zu achten. Dabei ist zu beachten, dass die Zusammenkünfte für die Abendmahlfeier in der Korinthischen Gemeinde immer in den Hausgemeinden (d.h. in den häuslichen Rahmen) stattfanden.

Jesus begeht das Passafest nach den Evangelientexten zwar in Jerusalem, aber analog zu den Familienfeiern in der Gemeinschaft mit seinen Jüngern. So dürfen auch wir in diesem Jahr zu Hause das Abendmahl feiern.

Einander Diener Sein

Im heutigen Evangelium, das dem Johannesevangelium (Joh 13:1-15) entnommen ist, berichtet zwar vom Abendmahl, steht aber die Fußwaschung im Mittelpunkt. Wie mehrdeutig auch immer dieses symbolische Handeln Jesu sein mag, wollen wir uns auf zwei Deutungen besinnen.

Zum einen lädt uns die Fußwaschung ein, zum uns ‚klein‘ zu machen und zum ‚Diener‘ zu werden. Durch die Fußwaschung legt Jesus eine umgekehrte Rangordnung fest. Die hierarchische Ordnung wird auf den Kopf gestellt. Jesus der Herr wird zum Diener und verrichtet den Sklavendienst. Die Jünger dagegen werden von Jesus bedient. Somit weist das Evangelium von der Fußwaschung auf die innerste Haltung Jesu hin: Er möchte nicht über andere herrschen, sondern deren Diener sein. Gleichzeitg verlangt das vorbildhafte Verhalten Jesu, dass auch die Jünger diesen ‚Dienst‘ Jesu „sinngemäß“ in ihrem Leben nachahmen.

Durch die Fußwaschung wird der von uns geschätzte Jesus zum Kleinsten, damit wir es wagen, klein zu sein und zu werden und darin die eigentliche Größe menschlichen Lebens zu entdecken. Eigentlich sollten wir Jesus für seine Provokation, ein Sklave für uns sein zu wollen, danken! Doch wir tun uns schwer, uns klein zu machenhalten und anderen Sklaven zu werden.

Auf die Füße Achten

Zum anderen steht logischerweise der Fuß im Mittelpunkt der Fußwaschung Jesu. Es wäre sehr interessant, einmal auch auf unsere Füßen zu schauen. Dazu werden wir heute angehalten, wenn wir von der Fußwaschung Jesu lesen. Es sind eigentlich die Füße, die die Spuren der Zeit und der Wege tragen. Sie tragen die Spuren unseres Lebens. Es sind unsere Füße, die jeden Schritt gegangen sind, die wir in unserem Leben gewagt und gemacht haben. Sie haben uns geführt über alle Wege, schöne wie beschwerliche, mal eng, mal breit  mal eben, mal holprig. Trotzdem haben uns unsere Füße  viele Schritte machen lassen. Auf allen diesen Wegen haben unsere Füße das Gewicht unseres Körpers und alles, was uns ausmacht, getragen. An manchen Stellen konnten sie springen, an anderen Stellen mussten sie uns quasi schleppen. Auf jeden Fall sind unsere Füße das Fundament, auf dem wir stehen. Die eigenen Füße anschauen ist nicht einfach. Dazu müssen wir entweder niederknien und uns beugen. Das ist eine schmerzhafte Angelegenheit. Das verlangt von uns Demut und Bescheidenheit. Die Demut und die Bescheidenheit, die Jesus an diesem Tag uns allen vorlebt.

Die Demut und die Bescheidenheit brauchen wir auch, die Füße der anderen Menschen anzuschauen. Letzendlich wäscht Jesus nicht seine eigene Füße , sondern die seiner Jünger. Also achten wir auch auf die Füße der anderen. Es gibt Füße, die aus unerträglichen Situationen flüchten mussten, es gibt Füße die schwer und krank geworden sind, es gibt aber auch Füße, die sich in diesen Tagen der Corona-Krise aufrechterhalten sollen, damit sie uns zu den, Alten, Hilfsbedürftigen, Kindern und Nachbar tragen können. Für diejenigen, die sich um die Corona Kranken kümmern und ihnen beistehen, bitten wir um Geduld und die Fähigkeit zu liebevoller Zuwendung. Schenken wir diesen Personen und ihren Füßen unsere Aufmerksamkeit und beten für sie, dass sie auch eine Unterstützung von oben bekommen. Amen.

Ein besinnliches Abendmahl-Andenken wünschen ich Ihnen allen!         Pfr. Paul